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Kein Zeckenalarm sondern Politklamauk!
Friedrich von Schillers ‚Die Räuber’ am Bremer Theater



Kürzlich hatte am Theater am Goetheplatz in Bremen das Schauspiel „Die Räuber“ von Friedrich Schiller Premiere.
Nun ist es eher ungewöhnlich, wenn wir uns an dieser Stelle mit den Leistungen unseres Theaters auseinandersetzen, doch bei dieser Inszenierung lohnt es sich vielleicht einmal genauer hinzusehen, was dort eigentlich geboten wurde bzw. wird.

Um was geht es ?
„Die Räuber“ sind schlicht und einfach der Klassiker in der dramatischen Literatur und haben Schiller vor 228 Jahren berühmt gemacht. Der Kern der Handlung ist der Konflikt der beiden Brüder Karl und Franz Moor. Auf der einen Seite steht der intelligente, freiheitsliebende und spätere Räuber Karl, der vom Vater geliebt wird, auf de
r anderen Seite der kalt berechnende, unter Liebesentzug leidende Franz Moor, der auf Karl eifersüchtig ist und das Erbe seines Vaters übernehmen will. „Die Räuber“ beinhalten schon fast alles, was Schillers Ruhm als deutschen Nationaldichter ausmacht. Schiller hat seinerzeit mit seiner Philosophie – als Vertreter des Deutschen Idealismus - Maßstäbe gesetzt. Während die Philosophen in den anderen Ländern der „aufgeklärten“ Welt dem materialistischen Zeitgeist des einseitigen, mechanistischen Verstandeskults, welcher von England und Frankreich aus die Philosophie sowie die Wissenschaften zu beherrschen begann, kaum etwas entgegenzusetzen hatten, bildeten die Philosophen des Deutschen Idealismus die große Ausnahme. In Schiller lebte die spirituelle Seele Europas, der Geist vieler großer Denker der Antike und des Mittelalters und die hohen Ideale ihrer atlantisch-germanischen Vorfahren weiter. Als woanders die Philosophie schon zu einem leeren Begriff verkommen war und sich nicht über eine halbherzig betriebene, oberflächlich intellektualistische Wort- und Gedankenspielerei hinaus entwickeln konnte, bildete sie in Deutschland noch ein höchstes Gut. Mit seinem Werk „Die Räuber“ hat Schiller deutlich gemacht, dass das moralische Gesetz, das die Welt benötigt, sich im Herzen eines jeden Menschen selbst befindet – als das Gewissen, die Stimme der Seele und des Blutes
Hauptmotiv ist hier vor allem auch die Freiheitsidee, die von Schiller besonders leidenschaftlich verfochten wurde. Dabei wurde der Freiheitsbegriff von ihm sehr viel tiefgehender erfasst, als ihn die meisten anderen Philosophen seiner Zeit und der damalige Zeitgeist in der französischen Menschenrechtserklärung von 1791 definierten, nach der Freiheit allein darin besteht, „alles tun zu können, was (oberflächlich betrachtet) keinem anderen schadet“. Die für Schiller charakteristische Freiheitsvorstellung ist auf die göttliche Ur-Idee von Freiheit ausgerichtet und schließt daher den Gemeinsinn und die Verantwortung fürs Ganze mit ein!
Schiller sah den Freiheitsbegriff im kosmischen Gesamtzusammenhang und im Einklang mit den spirituellen Gesetzmäßigkeiten des Lebens, für ihn war die Vorstellung von Freiheit eng mit dem Streben nach Wahrheit verbunden.
Leben in Freiheit und Selbstbestimmung in einem deutschen Nationalstaat, das war eine der schlussfolgernden Forderungen Schillers in seinen „Räubern“.

Welch ein aktuelles Thema ist das auch heute noch, vor dem Hintergrund einer globalisierten Weltwirtschaft, der Überschwemmung von Millionen fremder Menschen  und den immer mehr zunehmenden handlungsunfähigen Nationalstaaten. Wie sicher sind die ererbten Gewissheiten unserer Väter und Großväter noch? Werden auch unsere Kinder und Enkelkinder ein sicheres und selbstbestimmendes Leben führen können?

Was wurde gespielt ?
Bereits im Vorfeld war der interessierte Theaterbesucher schon darüber informiert worden, dass der Regisseur sich keinesfalls mit Schillers Vorlage zufrieden geben wird. Das Thema des Dramas, nämlich das Scheitern zweier Brüder bei der Verwirklichung ihrer Lebensentwürfe in höchst unfreier Zeit, sollte erweitert werden um die emanzipatorischen Lebensentwürfe heutiger Jugendlicher in Bremen.


Was wurde geboten ?
Fetzig und grell kamen ein Haufen gegenwärtiger junger Leute daher, konnten aber dem Publikum wenig Erhellendes zu ihren gegenwärtigen Lebensproblemen über die Rampe bringen. Dieses verwundert natürlich nur die, die immer noch glauben, dass die politische Linke die Deutungshoheit über die Zukunftsideen der deutschen Jugend hat. Zu dieser Spezies von Mensch gehört auch der Regisseur dieses Abends. Die bei ihm spielenden Jugendlichen sind seine Phantasiegestalten, die beliebige Texte des Zeitgeistes vortrugen. Was dabei inhaltlich heraus kam, langweilte selbst das bürgerliche Publikum. Diese Jugendlichen leiden z.B. schwer darunter, dass es junge Kräfte in unserer Stadt gibt, die eine andere Sicht von ihrer Zukunft haben, als dieses Allerweltsbetroffenheitswischiwaschi. Selbst der ausdrückliche Hinweis, dass diese national-gesinnten Jugendlichen ihre Klamotten in der Faulenstraße beim „Sportsfreund“ kaufen und ihr Bier in der Nähe des Hauptbahnhofs im „Bells“ trinken, reißt keinen bürgerlichen Theaterbesucher von seinem Sessel. Dieses alles wirkte albern und aufgesetzt.


Das Erbe Schillers entartet dargestellt (Foto: www.bremertheater.com)

Neben dieser Klamauknummer wurde auch noch Schiller geboten. Dass dieser Originalteil des Abends nur mühsam mit dem zuvor geschilderten in Einklang gebracht wurde, versteht sich fast von selbst. Dieses lässt sich an der Figur des Vaters der beiden Brüder verdeutlichen. Er mutierte vom Landadeligen in der Textvorlage hin zum Ortsamtsleiter von Bremen Mitte. Netter Geck, aber warum die beiden Brüder um die väterlichen Liebe dieser „Spät 68er“- Karikatur buhlten, diese Antwort bleibt die Regie schuldig. Lediglich der schauspielerischen Leistung von Siegfried Maschek ist es zu verdanken, dass dieser Vater überhaupt irgendeine Figur (Profil) bekam.

Wie konnte man den Abend beurteilen ? 
Die linksliberal eingefärbte Klamaukaufführung, die hier geboten wurde, sagte nichts über die wahre Befindlichkeit der Jugend aus. Weder haben diese Jugendliche etwas mit normalen, besitzstandorientierten und anpassungsbereiten Jugendlichen zu tun, noch mit leistungsbereiten und aufstiegswilligen Jugendlichen, die um ihren Platz in dieser "Gesellschaft" kämpfen. Die Realität gestaltet sich schwierig genug für deutsche Jugendliche. Die im Theaterstück angetretenen Versatzstücke einer möglichen linken Jugend bot nur Langeweile. Ehrlicher und unterhaltsamer wären da vielleicht ein Auftritt von richtigen „Zecken“ gewesen, die sich trotz der Nähe zur St. Pauli-Straße doch nicht herwagten. Öffentlich tritt dieser Pöbel ja ohnehin ausreichend in Erscheinung. Fast schon schade, dass diese „linken Jugendlichen“, mit ihrem destruktiven und menschenverachtenden Weltbild, so wenig zum Stück passten bzw. passen.


Mit modernen Marketingmethoden wurde hier eine vermeintliche Sensationsnummer inszeniert. Diese sollte zwar niemand wehtun, sollte aber möglichst öffentlichkeitswirksam genug sein, um eine hohe Auslastung des großen Hauses zu gewährleisten. Der erzieherische Ansatz, der dem Schillerschen Drama innewohnt, wurde zugunsten einer grellen, nichts sagenden Aufführung geopfert.

Schade um einen verloren Abend.
Schade für die Schauspieler, die nicht leisten konnten, wozu Sie fähig wären.
Schade um das Stück, das deutlich mehr hergibt.